Mit der frei verfügbaren Software „VatiCAN“ können Automobilhersteller ihre Programme anpassen.
 
Moderne Luxusfahrzeuge enthalten Dutzende integrierte Computer, von denen jeder über eine deutlich höhere Rechenleistung verfügt als die Apollo-Rakete. Diese Systeme erleichtern es Mechanikern, Fehler zu diagnostizieren oder den Fahrer vor einem gefährlichen Spurwechsel zu warnen. „Computer folgen jedoch nur vordefinierten Steuerbefehlen, ohne sich als Menschen zu verstehen. Wenn ein Angreifer die Befehlshierarchie falsch interpretiert, können unkontrollierte Befehle plötzlich in die Fahrzeugsysteme eingreifen und ein Abbremsen oder Ausweichen verursachen“, erklärt Stefan Nürnberger, Leiter der Forschungsgruppe Automotive Security am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Saarbrücken.
 
„Immer mehr Fahrzeuge verfügen heute über eine permanente Internetverbindung. Dadurch ist es beispielsweise möglich, Echtzeit-Verkehrsinformationen in die Routenplanung einzubinden oder die Standheizung fernzusteuern. Doch wenn Angreifer nach internetfähigen Steuergeräten mit Sicherheitslücken suchen, können sie Befehle an Tausende von Fahrzeugen senden“, warnt der Informatik-Doktorand. Gemeinsam mit Christian Rossow, Professor für Computersicherheit an der Universität des Saarlandes, arbeitet Nürnberger daran, sicherzustellen, dass Komponenten wie Notbremssysteme die Authentizität empfangener Befehle stets überprüfen. Die eigens dafür entwickelte Software „vatiCAN“ gewährleistet, dass nur ein autorisierter Absender die für die Synthese notwendigen Authentifizierungscodes anhängen kann.
„Diese Codes werden zwischen den Steuergeräten des Fahrzeugs permanent neu ausgehandelt und sind daher für einen Angreifer von außen nicht einsehbar. Jedes Steuergerät, das unsere Software nutzt, kann legitime von unautorisierten Nachrichten unterscheiden“, erklärt Nürnberger. Für ihre Sicherheitslösung war es den Forschern wichtig, dass die Software von Autoherstellern leicht angepasst werden kann. „Die Sprache der Steuergeräte im Auto wird durch ‚vatiCAN‘ nicht verändert. Dadurch lässt sich die Software in bestehende Fahrzeuge integrieren und vor Angriffen schützen“, so der Saarbrückener Forscher. Da die Anpassung jeder Sprache und jedes Protokolls für jede Marke und jedes Modell einen enormen Aufwand bedeuten würde, wurden die Hersteller um ihre Mitarbeit gebeten: Sie verfügen über die notwendigen Informationen, um die Anti-Hacking-Software problemlos zu integrieren.
 
Weitere technische Details:
Die vatiCAN-Lösung verhindert Angriffe wie das Abhören authentifizierter Nachrichten, indem sie jeder Nachricht einen Zeitstempel hinzufügt. Ist der Zeitstempel nicht aktuell, wurde die Nachricht abgehört und kann gefährlich sein. „Durch die Synthese zusätzlicher Berechnungen verlängert sich die Nachrichtenübertragung nur um zwei Millisekunden“, erklärt Nürnberg, der vatiCAN in einem VW Passat getestet hat. Dies ist für Verkehrsleitsysteme, die eine sofortige Reaktion erfordern, akzeptabel: „Verzögern sich die Datenpakete um zwei Millisekunden, verlängert sich der Bremsweg bei einer Geschwindigkeit von 130 km/h nur um sieben Zentimeter“, so Nürnberg.
Die Forscher haben ihre Methode bereits auf der internationalen Konferenz in Santa Barbara, Kalifornien, vorgestellt. Die Software kann hier heruntergeladen werden Internet und Nutzung kostenlos.

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