In vielen Industrieländern zählt die Automobilindustrie zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen. Auf ihrem Höhepunkt im Jahr 2017 liefen weltweit 97,3 Millionen Fahrzeuge (Statista) vom Band. Aufgrund der Pandemie sank diese Zahl bis 2020 deutlich auf unter 60 Millionen. Dass viele Automobilhersteller derzeit Rekordgewinne verzeichnen, verschleiert die wahre Lage. Denn die Pandemie, Lieferengpässe, Inflation, der Krieg in der Ukraine und strengere Klimaziele belasten die Automobilindustrie in der wohl turbulentesten Phase ihrer Geschichte. Treiber dieser Umbrüche sind die Elektrifizierung der Antriebe, die zunehmende Verbreitung autonomer Fahrfunktionen, alternative Mobilitätskonzepte sowie die Automatisierung und Vernetzung der Fertigung. Die
Elektromobilität steht dabei im Fokus.
Der Wandel von Verbrennungsmotoren zu Elektroantrieben ist für die Öffentlichkeit von größter Bedeutung. Die Aussteller der electronics 2022 spielen dabei eine entscheidende Rolle. Unternehmen wie Bosch, Infineon, Renesas, Rohm, STMicroelectronics und Vishay beschäftigen sich beispielsweise mit Schlüsselkomponenten für die Leistungselektronik. Breitbandige Halbleiter aus Siliziumkarbid (SiC) und Galliumnitrid (GaN) setzen in diesem Bereich neue Maßstäbe hinsichtlich Schaltfrequenz, Wirkungsgrad, Durchbruchfeldstärke, Wärmeableitung und Größe. Für Elektro- und Hybridfahrzeuge bedeutet dies höhere Energieeffizienz, größere Reichweiten und kürzere Ladezeiten. Auch die Entwicklung schreitet stetig voran, selbst bei siliziumbasierter Leistungselektronik. Durch gezielte Defektintegration erreichen Wissenschaftler am Fraunhofer IKTS höhere Schaltgeschwindigkeiten und eine höhere Strombelastbarkeit.
Eine Dienstleistung in Form von Mobilität, nicht Hardware in Form eines Autos
Mit dem Wandel hin zur Elektromobilität verändern sich auch das Mobilitätsverhalten und damit das Denken der Führungskräfte in der Automobilindustrie. Digitale Mobilitätsplattformen versprechen individuelle Mobilität ohne eigenes Auto und drohen, den direkten Kundenzugang der Hersteller zu unterbrechen. Wollen Automobilhersteller nicht zu Zulieferern multinationaler Mobilitätskonzerne werden, müssen sie sich zu Mobilitätsanbietern wandeln. Autonomes Fahren spielt dabei eine entscheidende Rolle. Ab Level 4 werden Fahrzeuge zu intelligenten IoT-Geräten. Folglich steigt der Anteil von Halbleitern in Fahrzeugen wieder deutlich an.
Die weltweit führenden Automobilchip-Hersteller – Bosch, Infineon, NXP, Renesas, Samsung, STMicroelectronics und Texas Instruments – werden auf der electronica 2022 vertreten sein. NXP präsentiert beispielsweise seine S32Z- und S32E-Prozessoren, eine Erweiterung seiner S32-Automobilplattform für die Echtzeitverarbeitung von Domänen- und Zonensteuerung, Sicherheitsverarbeitung und Fahrzeugelektrifizierung. Infineons Multi-Core-SoCs der Tc4x-Familie decken ebenfalls ein breites Spektrum automobiler Anwendungsszenarien ab, von Elektromobilität über ADAS und vernetzte Fahrzeuge bis hin zur KI-Implementierung. Letztere findet zunehmend Anwendung in der Netzwerküberwachung (Intrusion Detection and Prevention Systems), der Sensorfusion, dem Batteriemanagement und der prädiktiven Steuerung.
Diese Multi-Core-SoCs unterstützen bereits zukünftige Zonenarchitekturen für Elektrofahrzeuge, wie sie beispielsweise von Bosch und NXP entwickelt werden. Generell soll die zunehmende Komplexität der Softwarefunktionen und das wachsende Datenvolumen mit weniger leistungsstarken Fahrzeugcomputern und Zonensteuergeräten bewältigt werden können. Mit einer entsprechenden Cloud-Anbindung lassen sich vielfältige Funktionen implementieren, darunter fahrzeugspezifische App-Stores, Personalisierung, Fahrerassistenzsysteme (ADAS) und umfassende Infotainment-Angebote, die anschließend per Over-the-Air-Update (OTA) reserviert werden können.
Konferenz der Branchenexperten
Diese Zukunftstechnologien sowie neue Strategien und Geschäftsmodelle stehen im Mittelpunkt der electronica Automotive Conference, die am 14. November 2022 den Auftakt zur electronica bildet. „Die Wertschöpfungsketten der Automobilindustrie werden durch neue E/E-Fahrzeugarchitekturkonzepte, die durch Elektrofahrzeuge vorangetrieben werden, und die Trennung von Hardware und Software durch wenige Supercomputer anstelle vieler einzelner Steuergeräte grundlegend transformiert“, erklärt Peter Gresch, Geschäftsführer von OptE GP Consulting und Vorsitzender des Programmkomitees der electronica Automotive Conference. Er fügt hinzu: „Die electronica Automotive Conference wird diese tiefgreifenden Veränderungen und Zukunftstrends anhand zahlreicher Fachvorträge, Keynote-Ansprachen und Diskussionen beleuchten und das neue Geschäftspotenzial aufzeigen.“
